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Macht Lärm krank?
Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Lärm einen Einfluss auf die Funktion des Nervensystems hat: Stresshormone werden ausgeschüttet, die Herzfrequenz nimmt zu, die Blutgefässe werden enger, der Blutdruck höher und der Cholesterinspiegel steigt. Solche Reaktionen lassen sich kaum vermeiden, denn der Organismus reagiert auf Lärm wie auf einen Alarm. Vor allem nachts stört dieser Alarm die Schlafrhythmen und verhindert den Tiefschlaf. Neuere Studien zeigen, dass Kinder, die nachts Lärm ausgesetzt sind, Lernschwierigkeiten haben und langsamer lesen lernen.
Die Stressfolgen sind Risikofaktoren für Herz-Kreislaufkrankheiten. Ruedi
Müller-Wenk, Professor für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen, beziffert die Lärmauswirkungen des Strassenverkehrs
folgendermassen:
Pro Jahr gehen 50 tödliche und 60 nichttödliche Herzinfarkte auf das Konto des Lärms. 15'000 Personen leiden deswegen an Asthma, 400'000 haben
Schlafstörungen. Zu diesen durch etliche Studien belegten Zahlen kommen noch vermutete Auswirkungen dazu:
Psychische Störungen, Migräne, Bronchitis, Allergien, Diabetes,
Schilddrüsenstörungen.
Der wissenschaftlich einwandfreie Nachweis des Zusammenhangs zwischen Lärm und Krankheit ist schwierig zu erbringen, da auch andere Auslöser als Risikofaktoren in Frage kommen. Schlafstörungen lassen sich im Schlaflabor nachweisen, indem gemessen wird, wie ein Schlafender auf simulierte Lärmeinwirkungen reagiert. Eine Wissenschaftlergruppe des Zentrums für Organisation und Arbeitspsychologie der ETH Zürich untersucht in einer Feldstudie bei den Lärmbetroffenen zu Hause, welche Reaktionen Lärm in der Nacht auslöst. Resultate sind im September zu erwarten.
Die Gesundheitskosten, die durch Lärm verursacht werden, sind beträchtlich. 99 Millionen Franken betragen die durch Strassenverkehr
(auch Nachtruhestörungen durch Menschen in der "Festhütte"
Zürich, <Anmerkung des Verfassers dieser Netzseiten>) verursachten, 25 Millionen diejenigen des Schienenverkehrs. Laut Müller-Wenk ist die Senkung des Strassenlärms gesundheitspolitisch fast so wichtig für die Volksgesundheit wie die Bekämpfung von Nikotin- und Alkoholsucht.
Doch wirksame Lärmbekämpfungsmethoden lassen oft lange auf sich warten.
Die Auswirkung von Lärm lässt sich jedoch nicht als einfache Dosis-Wirkungsbeziehung darstellen. So wird zum Beispiel derselbe Lärmpegel von Flugzeugen, Strassen- und Schienenverkehr ganz unterschiedlich beurteilt.
75dB Lärmbelastung durch Flugzeuge empfinden 75 % der Bevölkerung als stark störend, stammt derselbe Lärmpegel vom
Strassenverkehr, stört dies 30 %, von Bahnverkehr sogar nur 15 %. Neueren Studien zufolge müssen Faktoren nicht-akustischer Art in die Bewertung der Lärmbelastung einbezogen werden, z.B. verstärken Technikfeindlichkeit, Angst vor Flugunfällen, das Gefühl von Ausgeliefertsein oder mangelndes Vertrauen in die Behörden das Gefühl der Lästigkeit, andererseits mildert Berufstätigkeit in einer lärmerzeugenden Branche oder positive Einstellung zum technischen Fortschritt die subjektive Belastung. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Lärmempfindlichkeit, auch eine individuell unterschiedliche
Grösse.
Und: Lärm ist das Geräusch der andern (Tucholsky). Die Wahrnehmung des selbst produzierten Lärms ist völlig verschieden vom tatsächlich produzierten Lärm.
Experten im Studio und Telefon:
Dr. med. Hans Göschke
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Nelkenrain 4
4104 Oberwil BL
061 401 28 20
Dr. Mark Brink
Psychologe
Arbeits- und Organisationspsychologie
Clausiusstr. 25
ETHZ
NW F 83
8092 Zürich
044 632 39 71
Experten am Telefon:
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Informationen:
Lärm und Gesundheit, eine Publikation der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz,
Fr. 10.— bei AefU, Sekretariat, Postfach 111, 4013 Basel,
Tel 061 322 49 49, Fax 061 383 80 49
mailto:info@aefu.ch
http://www.aefu.ch
Magazin „Umwelt“ des BUWAL,2/2005 Titel: Der Lärm lässt uns keine Ruh
Gratis bei UMWELT, Postfach, 4501 Solothurn, Tel. 031 324 77 00, Fax 032 624 75 08
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